Keirin, Japanischer Kampfsprint, ein tolles Fahrrad Workout

Wisst ihr was Keirin ist? Nein? Das ist schade, denn Keirin ist nicht nur einer der faszinierendsten Sportarten der Welt, es ist auch eine grandiose Fitness Methode. Was genau das ist und wie es funktioniert erkläre ich euch hier.

Keirin ist eine Disziplin im Bahnradrennen. In Japan ist es eine der beliebtesten Sportarten. Es gibt im Jahr 40.000 Rennen bei denen mehr als 15 Milliarden Euro umgesetzt werden. Seit den Olympischen Spielen im Jahr 2000 ist Keirin auch olympische Disziplin.

Während wir in Deutschland bei Bahnradrennen zumeist an so etwas wie die Sechstagerennen denken, viel Bier und Rauch geschwängerte Hallen, ist Keirin etwas anderes.

Die Japanische Fahrrad Kultur

Wir müssen kurz auf das Fahrrad-Land Japan eingehen. Japan hat eine unglaublich lange Fahrrad Historie. Wenn wir an ein Hersteller wie Fuji denken sehen wir einen der ältesten Fahrradhersteller der Welt. Die bauen seit über 130 Jahren Fahrräder.

Auch heute ist in den Ballungsgebieten Japans das Fahrrad das beliebteste Fortbewegungsmittel. Wenn man in Tokio ein Auto kaufen möchte muss man nachweisen, dass man einen Parkplatz hat. Parkplätze Kosten mindestens 350 € im Monat. Aber selbst wenn man einen Parkplatz und ein Auto hat, kommt man nicht dort an wo man hin möchte. Der Verkehr in Tokio ist der absolute Wahnsinn. Während man mit dem Auto, in der täglichen Rush-Hour, für Stunden steht, kommt man mit dem Fahrrad überall schnell hin.

Besonders beliebt sind in Japan die Fixies. Diese Räder sind an Bahnrad-Räder angelehnt. Das heißt, die Rahmengeometrie ist ähnlich. Es handelt sich um kurze sehr wendige Räder. Mit diesem wendigen Rädern kann man wunderbar an den, im Stau stehenden Autos, vorbei zirkeln. Da diese Fixies über keine Schaltung verfügen sind unglaublich wartungsarm. Etwas öl auf die Kette und gut ist.

Kurbelsatz und Ritzel sind ebenfalls aus dem Bahnradsport entlehnt. Wir haben also ein großes Kettenblatt mit 48 bis 52 Zähnen vorne und ein kleines Ritzel mit 14 bis 18 Zähnen hinten. Das bietet eine Übersetzung, mit der man sehr hohe Geschwindigkeiten fahren kann.

Die meisten Japaner sehen das Fahrrad als einen praktischen Alltagsbegleiter an. Und weil sie ihre Fahrräder lieben, lieben sie auch den Fahrradsport. Nun muss es aber etwas aufregenderes geben als eine 3 Wöchige Rundreise durch Frankreich. Bei der, bis auf den einen oder anderen Anstieg oder der Zieleinfahrt nicht viel passiert.

Keirin ist nichts anderes als ein Massensprint bei der Tour de France. Mit all den Ellbogen und Körpereinsatz den es auch bei der Tour de France gibt.

Keirin funktioniert folgendermaßen.


Ein Rennen besteht aus 9 Fahrern.
Die Länge des Rennens beträgt 1,5 km.
Die ersten 750m führt ein Tempomacher das Feld an.
Er steigert das Tempo langsam, von 30 km/h auf 50km/h.
Nach 750 m steigt der Tempomacher aus und die letzten 750m kämpft das Feld im Sprint gegeneinander. Die Geschwindigkeiten bei Zieleinlauf betragen dann weit über 70 km/h.

Nicht jeder darf Keirin Fahrer werden. Um bei so einem Rennen mitzumachen benötigt man eine Lizenz. Diese erwirbt man in einer 10 monatigen Ausbildung, in einer Keirin Schule. Erst wenn man die anschließende Prüfung bestanden hat, darf man an Wettkämpfen teilnehmen.

Bei den Profis gilt, während der Wettbewerber sind die Keirin Fahrer in speziellen Hotels untergebracht. Sie dürfen keinen Kontakt zur Außenwelt pflegen, Telefonate und E-Mails sind strengstens verboten. Damit sollen Wettmanipulationen verhindert werden.

Gefahren wird selbstverständlich auf Fixies. Ich habe hier schonmal beschrieben warum es für mich das perfekte Fahrrad ist (Link). Ich selber fahre ein Fuji Feather, welches ich nach und nach mit NJS Komponenten aufgerüstet habe.

NJS ist der Japanische Fahrradverband. Die achten sehr genau auf die Einhaltung der Regularien. Auch bei Fahrrädern. NJS gelabelte Komponenten dürfen in Keirin Rennen eingesetzt werden. Als Beispiel sei hier mal der Sugino 75 Kurbelsatz genannt.

In Ermangelung eines Rundkurses habe ich, mit ein paar Freunden, eine Strecke abgesteckt auf der wir unsere eigenen Keirin Rennen fahren. Ich habe den Vorteil in Schleswig-Holstein, direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern zu wohnen. Hier gibt es weite Wälder mit dünn befahrenen Straßen.

Wir haben einen Kurs von 20 km. Der besteht aus einer langen Kurve sowie 2 Geraden von knapp 10 km länge.

Ganz simpel erklärt, wir starten am Waldrand fahren dann entspannt auf 35km/h und nach 750m werden 750m gesprintet.

Wenn man das über den 20km Kurs immer mal wieder macht, hat man nach knapp 30 Minuten ein unglaublich heftiges Training in den Beinen. Man kann dies auch wunderbar alleine machen und versuchen seine Zeiten nach und nach zu schlagen.

Klar, es ist kein echtes Keirin Rennen. Denn entspannt auf 50 Stunden km hochzufahren um dann die 70 kmh und mehr zu erreichen ist für uns, als Freizeitsportler kaum möglich. Aber 35 Stundenkilometer ist eine gute Ausgangslage um in den Schlusssprint zu gehen.

Gefahren wird natürlich auf unseren Fixies. Fixies trainieren einfach den runden Tritt. Da es keine Schaltung gibt hört man keine Geräusche. Einzig der Wind und das Abrollen der Räder. Es ist das pure, glücklich machende Fahrradfahren.

Hier noch ein kurzes Video was euch die Welt der Keirin fahren etwas näher erklärt.

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