Fahrradrahmen aus Stahl oder Aluminium. Mal einfach erklärt

Über scheinbar nichts wird so viel geredet und geschrieben wie über das Material von Fahrradrahmen. Den meisten kann dies aber völlig egal sein. Denn die wenigsten Leute kaufen sich ein Fahrrad für 7000 €. Und legen Wert auf einen handgeklöppelten Carbonrahmen.  Dieser Artikel richtet sich an Einsteiger. An Menschen die wenig Geld für Ihr Fahrrad ausgeben und dennoch den ein oder anderen Fehler nicht begehen wollen. Deshalb konzentriere ich mich hier auf zwei Materialien, die im Fahrradbau am weitest verbreiteten sind.

Es gibt Rahmen aus Stahl und Rahmen aus Aluminium.  Und dann gibt es noch einige Legierungen. Beginnen wir mal beim einfachsten Material.

Die Rahmen der einfachsten Räder werden aus sogenannten Hi-Ten Stahl gebaut. Hi-Ten ist eine Wortschöpfung der Fahrradhersteller und bedeutet übersetzt, der billigste Stahl der gerade irgendwo rumliegt.

Das muss nichts schlechtes sein. Es gibt durchaus Einsatzgebiete für die diese art Rahmen. Menschen die ein einfaches Fahrrad benötigen um damit mal kurz zum Supermarkt zu fahren oder die sogenannten Bahnhofs Räder. Menschen die 1-2 km zum nächsten Bahnhof damit fahren möchten um danach den Zug zur Arbeit zu nehmen. Für all jene eignen sich Stahlrahmen. Es ist ein sehr preisgünstiges Material und die Fahrräder mit diesem Rahmen kosten nicht viel Geld. 

Diese einfachen Stahlrahmen haben drei Nachteile. 

Der erste Nachteil ist etwas schwer zu glauben. Es ist aber so. Stahlrahmen sind sehr weich. Es ist natürlich merkwürdig, wenn man bei dem Material Stahl davon spricht, dass es weich ist. Nichtsdestotrotz ist es so. Und da dieses Material sehr weich ist, bringt das einige Probleme mit sich.

Das erste Problem, der Rahmen neigt dazu sich zu verziehen. Ein einfaches kleines wegrutschen mit dem Rad, kann schon ausreichen um den Rahmen zu verziehen. Bei diesen günstigen Rädern kommt es häufig vor, dass auch die Gabel aus diesem günstigen Stahl gefertigt ist.  Dann sorgt schon ein, falsch hochgefahrener Kantstein dafür, dass ich die Gabel verzieht.

Der zweite Nachteil  von Stahlrahmen ist seine Anfälligkeit für Rost. Die Fahrradrahmen sind lackiert. Diese Lackierung hat nicht nur den Sinn dem Fahrrad einen unverwechselbaren Anschein zu geben, sie sollen auch dafür sorgen dass der Rahmen nicht so leicht rostet. Bei preisgünstigen Fahrrädern ist die Lackierung sehr häufig mangelhaft und platzt ab. Das bedeutet Angriffsstellen für Rost.

Der dritte Nachteil ist ein hohes Gewicht. Ein einfacher Stahlrahmen wiegt sehr viel. Da Stahl sehr weich ist benötigt man mehr Material um die benötigte Stabilität zu erreichen. Das Bedeutet, die Wandstärke der Rohre ist recht hoch. Dieses hohe Gewicht müsst ihr fortbewegen. Wenn jetzt noch, bei einem günstigen Fahrrad, nicht sehr hochklassige Anbauteile verbaut wurden dann wird das fahren mit diesem Stahlrahmen manchmal zu einer Tortur. Da der Rahmen so weich ist, wird ein recht großer Teil der Energie die wir aufwenden um vorwärts zu kommen, vom Rahmen absorbiert und nicht an das Hinterrad weitergeben.

Einfache, unlegierte Stahlrahmen bieten aber auch einige Vorteile. Einfacher Stahl ist nicht nur sehr weich, er ist auch sehr zäh. Es muss tatsächlich einiges aufgewendet werden, um einen einfachen Stahlrahmen zu brechen.  Normalerweise könnt ihr mit eurem Stahlrahmen viele Jahre, Jahrzehnte fahren ohne dass irgendwelche Probleme auftreten. Sie verziehen sich, ja. Aber brechen, nein. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Aluminiumrahmen. Dies gilt nicht nur für die Fahrradrahmen. Bei den günstigen Fahrrädern sind auch sehr häufig die Anbauteile aus Stahl gefertigt. Hier gilt dasselbe. Ich gehe sogar soweit,  dass ich eher 100 km auf einem €170  Fahrrad mit Stahlrahmen fahre als auf einem €400 Fahrrad mit Aluminiumrahmen.

Ein weiterer Vorteil von Stahl. Aufgrund des weichen Materials ist das Fahren mit einem Stahlrahmen sehr komfortabel. Stahl schluckt sehr viele Unebenheiten und federt nach. Wenn ihr gemütlich am Wochenende durch die Gegend fahren wollt ist ein Stahlrahmen genau das richtige für euch.

Kommen wir mal zu Aluminiumrahmen. Eigentlich müsste man hier korrekter Weise von einem Rahmen aus einer Aluminiumlegierung sprechen. Aber das würde jetzt zu weit führen. Sprechen wir bzw. schreiben wir weiterhin von einem Aluminiumrahmen. Aluminiumrahmen haben all das was ich sportliche Fahrradfahrer wünschen. Ein Aluminiumrahmen ist sehr hart und vor allem sehr steif. Das bedeutet, die Energie die wir mit unserem Körper aufwenden um das Fahrrad voranzutreiben, fließt bei einem Aluminiumrahmen zu einem sehr hohen Teil tatsächlich in das Rad. Wenn Tretlager, Kurbel, Kette etc. ähnlich qualitativ hochwertig sind. Anders als bei einem Stahlrahmen, wo sehr viel Energie im Rahmen absorbiert wird, passiert dass beim Aluminiumrahmen nicht. Da Aluminium so stabil ist können sehr viel dünnere Rohre genutzt werden um einen Rahmen zu bauen. Das lässt Räder aus Alu häufig sehr elegant wirken.

Aber diese Härte, diese Steifigkeit ist auch ein Problem. Denn der Komfort auf einem Aluminiumrahmen ist unter dem eines Stahlrahmen.  Ein weiterer Punkt, den habe ich oben beim Stahlrahmen schon angesprochen. Der Merksatz lautet, es ist sehr einfach ein unsicheren Aluminiumrahmen zu bauen. Was meine ich damit? 

Wenn ihr ein günstiges Fahrrad mit einem Aluminiumrahmen kauft, besteht die Gefahr dass das Aluminium nicht gut verarbeitet ist. Der Grund warum ein Fahrrad günstig ist liegt nicht nur an den verwendeten Materialen oder Anbauteilen. Ein großer Preistreiber sind Fertigungstoleranzen und Qualitätskontrolle. Je günstiger ein Fahrrad desto höher die Fertigungstoleranzen und desto nachlässiger die Qualitätskontrollen.  Bei einem günstigen Aluminiumrahmen ist die Gefahr vorhanden, dass der Rahmen irgendwann bricht. Wenn ihr dann sportlich unterwegs seid mit 30kmh durch den Wald fahrt ist das doof.

Ich würde ein Fahrrad mit Aluminiumrahmen nur kaufen wenn es sich um ein hochwertiges Markenprodukt handelt. Selbiges gilt auch für die Anbauteile. Wie beschrieben, Aluminium herzustellen und zu verarbeiten ist nicht ganz einfach. Und wer glaubt dass er mit seinem Aluminiumrad gegen Rost geschützt ist, der hat Aluminium noch nie blühen sehen.  Und während man bei einem Fahrrad mit einem Stahlrahmen davon ausgehen kann dass es viele 10000 km hält, kann man bei einem Aluminiumrad nicht sicher sein. Selbiges gilt auch für Anbauteile aus Aluminium. Wenn einmal bei hoher Geschwindigkeit der Lenker weggebrochen ist…

Pro Stahl
  • Fahrtkomfort
  • Robust, Haltbarkeit
  • Günstig
Contra Stahl
  • Sehr weich
  • Sehr schwer
  • Anfällig für Rost
Pro Aluminium
  • Sehr leicht
  • Sehr hart
  • Perfekt für schnelles sportliches fahren
Contra Aluminium
  • Fahrkomfort
  • Neigt zum blühen, Viel pflege benötigt
  • Wenn minderwertig, gefährlich
  • Vergleichsweise teuer

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